Sonntag, 9. Mai 2021

Im Herzen eine Hoffende

 Liebe Besucher, 

in letzter Zeit geistert mir so viel im Kopf herum, dass ich einfach darüber schreiben muss, ganz gleich, ob hier jemand mitliest oder dies eigentlich ein Block über Illustration ist. Wobei, die Illustration bedingt sehr viel von dem, was mich bewegt, so dass am Ende vielleicht doch nicht so abwegig ist, was ich schreiben werde.

Das Leben streicht dahin. Mit der 40 kurz vor meinen Zehen, der Pandemie, einem eisigen Nebel gleich, um mich herum, einem stetig wachsenden, sanft strampelnden Leben unter meinem Herzen und einem lieben, besonderen Menschen an meiner Seite, frage ich mich, was ich mich überhaupt fragen darf?

Gestern waren wir uns ein Haus anschauen. Auf dem Land. Recht weit ab vom Schuss, allerdings mit großem Garten. Dieses Haus gehört meiner Tante, ich habe dort in meiner Kindheit eine Handvoll Sommer verbracht, es immer gemocht. Es ist ein wenig in die Jahre gekommen, die Gegend hat sich verändert, und trotzdem keimte in mir die kleine Hoffnung, dass es vielleicht "unser" Haus sein könnte. 

Doch ... die derzeitigen Immobilienpreise. Preisschlachten um die kleinste Bruchbude. Freiberuflertum meinerseits, mein Freund auch leider noch immer nicht in solider Festanstellung, was darf man erwarten? Gar nichts, vermutlich.

So oft, dass ich mich dekadent fühle. Überheblich. Weil ich so gerne einen großen Garten hätte. Einfach Natur um mich herum. Blumen, Bienen, Früchte, Grün und Wind in der Nase. Duft, unendlicher feiner Duft, der nach Sommer, nach Kindheit, nach Farben schmeckt. 

Seit ich schwanger bin, duftet die Welt. So wie am Anfang diverse Gerüche gestört haben, so sitzt die Welt gerade voller Duftnoten. Farbnoten. Und in ihr drin hocke ich, mit meinem Wunsch nach einem Haus. Wie so viele.

Ich bin ein Naturmensch, kein Stadtmensch. Mein kurzzeitiges Intermezzo in Hamburg hat es mir noch einmal vor Augen geführt. So sehr ich Kultur liebe, gern ins Kino gehe, die Oper ganz wunderbar finde und der Hamburger Hafen an einem Sommerabend ein Traum ist, so sehr habe ich begriffen, dass Hamburg zu teuer, zu voll geworden ist. Überall wird nachverdichtet. Mein absoluter Grusel! Die Leute wollen bezahlbaren Wohnraum mitten in der Stadt. Ich wünsche mir bezahlbaren Wohnraum auf dem Land. Einen Garten, den ich mir leisten kann. Und der nicht bloß 300qm groß ist. Jep, und da lauert sie wieder, die Dekadenz. Zu glauben, als mittelmäßiger Freiberufler hätte man Chancen auf einen großen Garten. 

Warum ein großer Garten? Reichen nicht auch 300qm Handtuchgarten hinter einer Doppelhaushälfte?

Nein. Es liegt nicht einmal an der Größe, aber was mich abschreckt, sind immer größer werdende Siedlungen mit immer mehr Menschen, immer mehr Autos, immer weniger Privatsphäre, immer mehr Gleichmäßigkeit. Kinder, SUV, Tierschutzhund aus dem Ausland ... oder auch ausgebauter Bus, Instagram-Profil und "Wer unternimmt im Freundeskreis die spannendsten Dinge"-Wettbewerb. 

 Die Leute wollen alle mehr Platz, Häuser, Doppelhaushälften, Reihenhäuser ... 

Ich möchte mehr Platz zu diesen Menschen. Ruhe vor diesen Menschen. Raum zum Nachdenken, zum Fühlen, zum Entspannen. Ohne, dass mir aus fünf anderen Doppelhaushälften oder Neubaueinzelhäusern die Nachbarn mein Essen vom Teller stieren, sobald ich mich an meinen Tisch im Garten setze. 

Ich bin kein Mensch für diesen Wettbewerb der Perfektion. Ich besitze noch Rassehunde, ich bin kein Veganer und ich bin auch nicht jedermanns Freund. Ich bin eckig und kantig, manchmal traurig, oft mit dem Herz in den Wolken, offen für Vieles, und doch mit eigenem Rhythmus. 

Ich bin viel zu oft viel zu still. Und wünsche mir nur eine Handvoll lieber Menschen in meinem Leben, ein gesundes Kind und viel Liebe. Und einen Garten. Einen großen Garten. 

Bis dahin

eure Anne

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